Freiwillige Feuerwehr

Mönchhagen

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Man muss Spaß daran haben, im Einsatz auch mal Zäune wegzureißen

Frauen in der FFw Mönchhagen – Ein Interview

Mit 3 Frauen unter den aktiven Mitgliedern hat die FFw Mönchhagen eine Frauenquote von gut 17 %, das ist etwas weniger als der Durchschnitt im Amtsbereich von rund 22 %, aber mehr als die mittlere Frauenquote im Landkreis (15 %) oder im Land (14 %).

Ein Gespräch mit den aktiven Mönchhäger Feuerwehrfrauen über Gleichberechtigung in der Feuerwehr, den Spaß an der Sache, aber auch über mitunter auftretende Schwierigkeiten, Feuerwehr und Familie unter einen Hut zu bringen:

Foto: die 3 Frauen im aktiven Dienst der FFw Mönchhagen
Anett Buttig, Sabrina Markart und Julia Schröder sind im aktiven Dienst bei der FFw Mönchhagen.

Oberlöschmeisterin Sabrina Markart, 29.
Sabrina trat 1999 in die JFw Mönchhagen ein und ist seit 2004 aktives Mitglied der FFw. Seit 2006 leitet sie die JFw als Jugendwartin.

Löschmeisterin Julia Schröder, 28.
Julia wurde 2002 Mitglied in der JFw und trat 2005 als aktives Mitglied in die FFw ein. Sie ist Sicherheitsbeauftragte der FFw und arbeitet in der JFw mit.

Feuerwehrfrau-Anwärterin Anett Buttig, 34.
Anett ist seit 2015 in der FFw, arbeitet dort in der JFw mit und hat sich vor Kurzem zum Eintritt in die aktive Wehr entschieden.

Das Interview führte Wiebke Salzmann, Schriftwartin der FFw Mönchhagen.

Man braucht ja Kontakte, so neu im Ort.

Wiebke: Sabrina und Julia, ihr kamt von der Jugendfeuerwehr in die freiwillige Feuerwehr. Wie seid ihr damals zur Jugendfeuerwehr gekommen?

Sabrina: Ich bin ja 1998 mit meinen Eltern hierher gezogen und eine meiner ersten Bekannten im Ort war die Enkelin des damaligen Jugendwartes Heiner Baade. Im Mai 1999 bin ich dann in die JFw eingetreten. Man braucht ja Kontakte, so neu im Ort. Und dann habe ich Julia angeschleppt.

Julia: Wir waren in einer Klasse. Da war irgendein Wettkampf und ihr brauchtet noch Leute. Ich bin also einfach mal mitgegangen und seitdem bin ich dabei.

Irgendwann wurde es normal, eine gemischte Feuerwehr zu haben.

Foto: Der Wehrführer erklärt den JFw-Kindern, mit welchen Knoten sie Strahlrohre einbinden können
Auch wenn hier vielleicht der Eindruck entsteht, die JFw sei Frauensache – die Jugendwartin wird natürlich auch von männlichen Kollegen der FFw Mönchhagen unterstützt. Hier erklärt der Wehrführer den JFw-Kindern, mit welchen Knoten sie Strahlrohre einbinden können.

Wiebke: Und wie kam es dann, dass du auch in die Erwachsenenwehr gegangen bist? Sabrina, du warst ja die Erste damals.

Sabrina: Warum ich in die Erwachsenenwehr eingetreten bin – ich habe nie darüber nachdenken müssen. Es war für mich von Anfang an klar. Ich weiß noch, ich war wahnsinnig aufgeregt. Ich war ja erst 16 und wollte mit dem Truppmann anfangen. Und dann bin ich zu meiner ersten Versammlung und war die einzige Frau in diesem Saal da oben. Plötzlich eine Frau im aktiven Dienst – das war für beide Seiten erst mal ungewohnt. Aber ein Jahr später sind Julia und meine Schwester nachgerückt.

Julia: Ja, es stand immer fest, dass wir nach der JFw den Truppmann machen und in der Feuerwehr bleiben. Und irgendwann wurde es normal, eine gemischte Feuerwehr zu haben. Man ist ja auch zusammen in den Einsatz gefahren, hat zusammen am Strahlrohr gestanden. Wir Mädels waren auch alle PA-Träger [d. h. ausgebildet für den Innenangriff mit Atemschutzgeräten], haben also eine gute Ausbildung. PA-Träger braucht jede Feuerwehr ausreichend.

Sabrina: Ich wusste auch damals schon, das ich mal die Jugendfeuerwehr übernehmen möchte. Und als ich 18 geworden war, habe ich auch gleich den Jugendwartlehrgang gemacht.

Moritz ist noch zu klein, da können mein Mann und ich nicht beide zum Einsatz.

Wiebke: Anett, bei dir war es ja nun ganz anders, du bist ja erst vor Kurzem zur Feuerwehr gestoßen. Wie kommt man als Erwachsene auf die Idee? Du hast ja auch zwei Kinder.

Anett: Ich bin über meinen Mann dazu gekommen. 2010 gab es ja einen Tag der offenen Tür, zu dem er hingegangen ist – er interessiert sich für Technik. Nachdem er in die FFw eingetreten war, habe ich bei den Feiern und Ausflügen, bei denen auch die Familien dabei sind, die Feuerwehr-Mädels kennengelernt. Dadurch habe ich angefangen, bei der JFw mitzuhelfen. Meine Tochter Tina ist auch bei der JFw. Sie ist 11.

Wiebke: Und dann war für dich auch klar, dass du in den aktiven Dienst gehst.

Anett: Ja, man kann den Kindern ja nichts beibringen, was man selbst nicht richtig versteht.

Wiebke: Fährst du auch schon Einsätze mit?

Anett: Nein, dazu ist Moritz mit seinen 4 Jahren noch zu klein. Gerade nachts können mein Mann und ich nicht beide losfahren. Und da er schon länger dabei ist und mehr machen kann, muss er los.
Bei Versammlungen können wir die Kinder auch mal kurz allein lassen. Es ist ja im Dorf und sie können jederzeit anrufen, wenn was ist, und Tina ist sehr vernünftig. Das hängt natürlich von den Kindern ab; bei unseren funktioniert es, das muss bei anderen nicht so sein.

Wenn man gute Argumente hat, kann man seine Ideen umsetzen – Männer wie Frauen.

Foto: Strohballenbrand
In der Einsatzkleidung verschwinden ohnehin alle Unterschiede (hier: Einsatz bei einem Strohballenbrand).

Wiebke: Ihr fühlt euch in der Feuerwehr also gleichberechtigt und akzeptiert?

Julia: Ja. Klar haben wir unsere eigene Meinung und unsere eigenen Vorstellungen zur Feuerwehr. Aber wenn man gute Argumente hat, kann man seine Ideen auch umsetzen.

Sabrina: Das gilt bei uns in der Feuerwehr aber für Männer wie für Frauen. Es gibt natürlich Dinge, wo die Männer einfach körperlich mehr leisten können. Beim PA-Einsatz würde ich als Gruppenführerin immer erst ein Männerteam reinschicken [d. h. ins brennende Gebäude; PA-Einsätze sind körperlich sehr belastend]. Dazu sollte man auch stehen als Frau. Man ist da einfach körperlich den Männern unterlegen.

Julia: Ansonsten geht es nach Rang. Der Höherrangige gibt die Anordnung, egal ob Mann oder Frau.

Hut ab, dass du mit Beruf und zwei Kindern die Grundausbildung machst.

Wiebke: Die Lehrgänge stehen Männern und Frauen gleichberechtigt offen und ihr habt ja auch schon allerlei Lehrgänge gemacht. Du bist sogar Gruppenführerin, Sabrina.

Sabrina: Ich bin auch froh, dass ich das schon hinter mir hab, ich habe neben der Berufsausbildung noch Führerschein und Truppmann gemacht, das war damals überhaupt kein Problem. Ich wüsste nicht, wie ich das mit Kind noch hinkriegen sollte. Hut ab, dass du jetzt die Grundausbildung machst, Anett. [Die Grundausbildung, nach der man dann Truppmann ist, dauert 8 Sonnabende und findet in Rövershagen statt.]

Anett: Das geht, weil mein Mann da mitmacht und auf die Kinder aufpasst. Wenn man alleine ist, schafft man das wohl nur schwer. Aber es ist ja ein überschaubarer Zeitraum.

Julia: Regulär darf man zwei Mal fehlen. Man kann auch bei der Ausbildung am Standort der FFw viel nachholen oder im Voraus lernen. Viele Themen werden ja auch in unseren zweiwöchentlichen Ausbildungsabenden behandelt.

Man kann beim Truppführer-Lehrgang auch mal seine Grenzen austesten.

Foto: Atemschutzübung
Sabrina übt das Verhalten bei der Rauchgasdurchzündung. Man lässt sich nach hinten auf die Seite fallen und bildet einen Schutzschirm aus Wasser zwischen sich und dem Feuer.

Wiebke: Welche Lehrgänge fandet ihr am interessantesten?

Julia: Truppführer und Atemschutz, da hat man viel Neues gelernt. Der Atemschutz-Lehrgang ist auch spannend, da muss man in einen Bunker und eine Puppe „retten“. Beim Truppführer-Lehrgang lernt man dann, weiter zu denken als als Truppmann. [Ein Trupp besteht aus 2 KameradInnen: Truppmann und Truppführer.]

Sabrina: Man kann beim Truppführer auch mal seine Grenzen austesten. Aber ich muss auch sagen, der Gruppenführerlehrgang hat mir noch mal eine ganz neue Welt eröffnet. Auch wenn ich im Einsatz gerade nicht selbst der Gruppenführer bin, kann ich die Entscheidungen des Gruppenführers besser verstehen. [Eine Gruppe umfasst inkl. Gruppenführer 9 KameradInnen.]

Als ich schwanger war, stand ich immer am Fenster, wenn die Sirene ging.

Wiebke: Julia, deine Tochter ist vor 14 Monaten geboren, du bist inzwischen wieder einsatzfähig?

Julia: Ja, nur noch nicht PA, aber das hat gesundheitliche Gründe. Ich hoffe, dass ich bei der nächsten G26 [die regelmäßige ärztliche Untersuchung, bei der sichergestellt wird, dass die Feuerwehrleute den Atemschutzeinsätzen gesundheitlich gewachsen sind] endlich wieder als PA-tauglich eingestuft werde ... Ansonsten bin ich wieder voll aktiv; wenn mein Partner zu Hause ist, fahr ich auch mit zu Einsätzen. Nur wenn ich allein mit der Lütten bin, geht das natürlich nicht. Gleich nachdem ich wieder eingestiegen bin, gab es 3 oder 4 Einsätze – der Baumbrand, ein Verkehrsunfall in Bentwisch ... Von uns aus kann ich ja zum Gerätehaus sehen, und als ich schwanger war, stand ich immer am Fenster, wenn die Sirene ging. Ich wäre ja auch gern selbst mitgefahren …

Wiebke: Sabrina, du wirst im März Mutter und darfst deshalb zurzeit nicht mit zu Einsätzen.

Sabrina: Nein, ich bin im Moment raus aus der Einsatzabteilung, ich bin ganz traurig ... JFw darf ich noch machen, solange ich nicht allein bin – aber wir sind ja immer mehrere. Ich will auch sobald wie möglich nach der Geburt wieder weitermachen mit der JFw. Der Vorteil ist, dass mein Freund volles Verständnis dafür hat, weil er selbst aktiv in der FFw ist.

Moritz denkt, sein Papa macht das hauptberuflich.

Foto: Übung der JFw
Übrigens steht natürlich auch die JFw Mädchen wie Jungen offen! (Hier bei einer Übung während des Blaulichtwochenendes 2016)

Wiebke: Was würdet Ihr Frauen, die sich für die FFw interessieren, noch mitgeben?

Sabrina: Wir sind eine tolle Gemeinschaft.

Julia: Man darf kein Problem mit schmutzigen Fingern und abgebrochenen Fingernägeln haben, man muss Spaß daran haben, im Einsatz auch mal Zäune wegzureißen.
Aber man kann auch einfach bei Veranstaltungen helfen, beim Osterfeuer oder beim Tannenbaumverbrennen. Wenn man einen Partner hat, der mitspielt, dann läuft das auch, dann kann man auch als Mutti in der Feuerwehr tätig sein.

Sabrina: Und die Kinder sind ja auch stolz auf die Eltern in der Feuerwehr.

Anett: Moritz denkt, sein Papa macht das hauptberuflich.

Julia: Frauen, die sich für die FFw interessieren, können uns auch gern ansprechen und mit Fragen löchern.

Fazit:

Natürlich ist es nicht immer einfach, Familie, Beruf und Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr unter einen Hut zu bringen, aber gut ausgebildete Frauen in der aktiven Wehr sind heute keine Ausnahmen mehr – und wer Kontakt im Dorf knüpfen will, gerne mal mit zupackt (vielleicht auch erst mal nur als Fördermitglied bei Veranstaltungen) und zudem auch noch in seiner Gemeinde aktiv werden will, sollte auch (und gerade) als Frau mal bei der freiwilligen Feuerwehr vorbeischauen. Zum Beispiel zu den Übungsabenden jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat.

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